Neue Veröffentlichung mit Beteiligung von zwei D.E.G.-Mitgliedern erschienen!
21. Januar 2026
Jüngst ist eine neue Veröffentlichung über die Ergebnisse des „Important Shark and Ray Areas“ (ISRA)-Projekts für die Region des westlichen Indischen Ozeans (inkl. Rotes Meer, Persischer Golf und Arabische See) publiziert worden, an der auch zwei D.E.G.-Mitglieder (Julia Spaet, Peter Gausmann) mitgewirkt haben. Das ISRA-Projekt, ins Leben gerufen von der IUCN SSC Shark Specialist Group, hat sich zum Ziel gesetzt, essenzielle Lebensräume von Elasmobranchiern und Chimären zu identifizieren und kartographisch zu erfassen, um diese Gebietsdarstellungen wichtigen Akteuren im Meeresnaturschutz als Entscheidungshilfe bei Planungen an die Hand zu geben. Im Fokus stehen hierbei insbesondere Planungen zur Ausweisung von Schutzgebieten (Marine Protected Areas – MPAs) sowie zu Fischerei- und Managementplänen für bestimmte Gebiete.
Der westliche Indische Ozean kann auf Grund seiner hohen Artenzahl an Elasmobranchiern und Chimären (n = 270) als „Hotspot“ der Chondrichtyen-Diversität angesehen werden, darunter auch eine bemerkenswerte Anzahl endemischer Arten, die in ihrer Verbreitung sehr begrenzt sind und daher besonders im Fokus der Natur- und Artenschutzbemühungen stehen. Diese neue Studie unter Federführung des ISRA-Projektteams deckt das Missverhältnis zwischen der räumlichen Lage von Meeresschutzgebieten und den kritischen Lebensräumen von Elasmobranchiern und Chimären auf. ISRAs sind Gebiete, die eine besonders wichtige Funktion im Hinblick auf die Biologie und/oder das Verhalten von Haien, Rochen und Chimären aufweisen, z.B. in Form von Fortpflanzungs- und Reproduktionsstätten oder als Nahrungshabitate. Auch Ruhezonen und „cleaning stations“ gehören dazu. Entscheidend ist, dass diese Gebiete wichtig für den Lebenszyklus einer oder mehrerer Knorpelfischarten sind.
Die Identifizierung dieser für den Fortbestand von Haien, Rochen und Chimären wichtigen Gebiete erfolgt im ISRA-Projekt unter Einbindung lokaler Expertinnen und Experten, um fundierte Einschätzungen in Bezug auf kritische Habitate dieser heutzutage überwiegend stark bedrohten Arten vorzunehmen. Für die Region des westlichen Indischen Ozean konnten insgesamt 125 ISRAs identifiziert werden, von denen sich jedoch nur 7,1% räumlich mit Meeresschutzgebieten überschneiden und sogar nur 1,2% der ISRAs liegen in vollumfänglich geschützten Gebieten („no-take areas“), in denen keine Fischereiaktivitäten erlaubt sind. Diese Nichtübereinstimmung zwischen kritischen Lebensräumen von Elasmobranchiern und Chimären sowie ausgewiesenen Meeresschutzgebieten deckt das große aktuelle Defizit in Bezug auf die Ausweisung von administrativen Schutzgebieten in dieser Region auf und verdeutlicht zugleich den nach wie vor großen Handlungsbedarf hinsichtlich des Schutzes von Haien, Rochen und Chimären. Diese vor dem anhaltenden hohen Fischereidruck, der neben dem Lebensraumverlust und den Auswirkungen des Klimawandels als größte Gefährdungsursache von Elasmobranchiern und Chimären angesehen werden kann, zu schützen, wird die größte Herausforderung in Bezug auf die Naturschutzbemühungen in dieser Region sein. Die Ausweisung weiterer Schutzgebiete in dieser Region, welche auch die kritischen Lebensräume von Elasmobranchiern und Chimären umfassen, wäre die logische Konsequent aus dieser Studie.
Cochran, J. E. M., Charles, R., Temple, A. J., Kyne, P. M., García-Rodríguez, E., Gonzalez-Pestana, A. et al. (2026): Only One Percent of Important Shark and Ray Areas in the Western Indian Ocean Are Fully Protected From Fishing Pressure. Ecology and Evolution 16(1): e72690. https://doi.org/10.1002/ece3.72690
Peter Gausmann