Publikationsvorstellung

Jüngst wurde eine Studie der Wissenschaftler und Hai-Forscher Yannis P. Papastamatiou, Charlie Huveneers, Laurent Ballesta, Serge Planes und Johann Mourier über „Super-Habitate“ in der Zeitschrift „Biological Conservation“ veröffentlicht:
Papastamatiou, Y. P., Huveneers, C., Ballesta, L., Planes, S. & Mourier, J. (2025): Marine predator super-habitats: Channels used for foraging, resting, mating, and parturition in sharks. – Biological Conservation 311: 111446. https://doi.org/10.1016/j.biocon.2025.111446

In diesem Artikel berichten die Forscher über einen speziellen Habitattyp, in welchem auf kleinstem Raum wichtige und entscheidende Verhaltensweisen wie Jagd, Ruhen, Paarung und Geburt bei Grauen Riffhaien (Carcharhinus amblyrhynchos) beobachtet wurden. In Fakarava (Französisch-Polynesien) konnte das Forscherteam um Papastamatiou et al. in marinen „channels“ eine außergewöhnlich hohe Präsenz von über 500 Grauen Riffhaien beobachten, die hier offenbar eine hohe Bindung an diesen „channel“ zeigten und gleichzeitig auch den allergrößten Teil ihres Lebenszyklus hier absolvierten. Solche „channel“, die vor allem bei Inseln oftmals Lagunen oder Ästuars an die daran anschließenden Küstenhabitate anbinden, sind seit längerer Zeit für ihre hohe Dichte an marinen Prädatoren bekannt. Dass sie aber eine solche herausragende Bedeutung für eine einzelne Haiart haben können ist neu und wird hier erstmals berichtet.

Dieses Konzept der „Super-Habitate“ ist von großer naturschutzfachlicher Relevanz, denn es erlaubt, durch die Schutzgebietsausweisung von relativ kleinräumigen und überschaubaren Abschnitten der Meereslandschaft einen maximalen Schutz für eine einzelne Haiart zu erreichen, indem die für sie essenziellen Lebensräume erfasst werden. Sicherlich ist die Anwendbarkeit dieses Konzept auf die residenten Arten mit kleinen „homeranges“ und einer hohen Ortstreue beschränkt und nicht auf alle Arten übertragbar, vor allem nicht auf stark migrierende und/oder pelagische Arten. Dennoch zeigt die Studie von Papastamatiou et al. auf, wie wichtig es ist, Kenntnisse über die Habitatnutzung von Elasmobranchiern zu haben, um hieraus die bestmöglichen Schutzmaßnahmen abzuleiten. So kann nur gehofft werden, dass zukünftig möglichst viele dieser „Super-Habitate“ identifiziert werden, um hieraus effektive Schutzmaßnahmen in Form der Ausweisung von Schutzgebieten für Haie und Rochen abzuleiten.

Peter Gausmann